04.03.15

Die Rubelkrise und Russlands Exportbeschränkungen für Getreide

IAMO Policy Brief 22 liefert Einschätzungen zur aktuellen Lage

Halle (Saale), 04. März 2015 – Obwohl Russland im vergangenen Jahr eine Getreiderekordernte verzeichnete, werden die russischen Weizenexporte seit Kurzem zusätzlich besteuert. Diese Maßnahmen werden von russischer Seite damit begründet, die stark ansteigenden Weizenexporte zu reduzieren und daraufhin den bereits hohen inländischen Weizenpreisen entgegenzuwirken. Ob ein Anstieg der Brotpreise auf Verbraucherebene jedoch langfristig gebremst werden kann, ist für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IAMO äußerst fraglich. Im IAMO Policy Brief 22 gehen IAMO-Direktor Prof. Dr. Thomas Glauben sowie die Agrarökonomen Dr. Linde Götz und Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ulrich Koester daher den Fragen nach, inwieweit die staatlichen Eingriffe hinsichtlich der angestrebten Ziele wirksam sind, welche gesamtwirtschaftlichen Folgen sich daraus für Russland ergeben und welche Effekte auf den Weltmärkten zu erwarten sind.

Im Jahr 2014 stieg die Weizenproduktion in Russland um 22 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre an. Trotz dieser Rekordzahlen im Getreidesektor gilt seit 1. Februar 2015 ein Ausfuhrzoll auf Weizen. Die Abgabe beträgt 15 Prozent des Tonnenpreises, aber mindestens 35 Euro je Tonne plus 7,50 Euro pro Tonne. Diese Beschlussfassung der russischen Regierung gilt zunächst bis Juni 2015. Exporte in die Länder der Eurasischen Wirtschaftsunion sind von der Abgabe jedoch ausgenommen.

Ziel der russischen Regierung ist es, durch die Exportbeschränkungen die Getreideversorgung in Russland zu sichern und den Anstieg der Verbraucherpreise für Getreideprodukte zu bremsen. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Abwertung des Rubels ist jedoch stark zu bezweifeln, dass die Besteuerung auf Weizenexporte eine dämpfende Wirkung auf die russischen Weizenpreise und insbesondere auf die Brotpreise für die Endverbraucher haben wird. Aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive führen die Maßnahmen zur Abkopplung der russischen Getreidewirtschaft von den internationalen Märkten. So werden notwendige Investitionen in den strategisch wichtigen Getreidesektor abnehmen und damit die Erzeugung und den Handel von Getreideprodukten bremsen. Auch wenn aufgrund der bestehenden Lagerbestände die Effekte auf den Weltgetreidemärkten kurzfristig begrenzt bleiben, ist durch die abnehmende Integration der russischen Getreidewirtschaft mittel- und langfristig eine spürbare preiserhöhende Wirkung zu erwarten. Des Weiteren wirkt sich der Rückzug des russischen Getreidesektors von den Weltmärkten negativ auf die globale Sicherung der Welternährung aus.

„Insgesamt lassen unsere Befunde darauf schließen, dass von staatlich verordneten Eingriffen in die russische Getreidewirtschaft abgesehen werden sollte. Gerade in Hinsicht der aktuellen Talfahrt der russischen Wirtschaft trägt eine Destabilisierung des strategisch wichtigen Getreidesektors sicherlich nicht zur  Verbesserung des Investitionsklimas in Russland bei“, erläutert IAMO-Direktor Thomas Glauben.

Der IAMO Policy Brief 22 „Die Rubelkrise und Russlands Exportbeschränkungen für Getreide“ kann auf der Internetseite des IAMO kostenfrei heruntergeladen werden: www.iamo.de/publikation/policybrief-22

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Mit den IAMO Policy Briefs bezieht das IAMO aufbauend auf die eigene Forschung zu wichtigen agrarpolitischen Fragen Stellung. In der Publikationsreihe werden verschiedene gesellschaftsrelevante Themen kurz und allgemeinverständlich dargestellt. Zur Zielgruppe zählen insbesondere Entscheidungsträger der Politik, Wirtschafts- und Medienvertreter sowie die interessierte Öffentlichkeit. Seit 2011 werden die IAMO Policy Briefs in unregelmäßiger Folge veröffentlicht.

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